Gentrifizierer im Wald

Neulich auf dem Lande hat mir ein Förster die Gentrifizierung erklärt. Wie das so läuft, wenn die Natur mal einen Durchhänger hat nach einer Dürre oder einem Waldbrand. Da habe ich gleich an Berlin gedacht oder an New York. Also, man stelle sich vor, es ist alles verdorrt, nichts da, was man schön finden könnte. Da kommen dann irgendwann so eine Art Pionierpflanzen, die ohne viel zu brauchen, wachsen können. Die kommen zurecht und fühlen sich wohl obwohl da kein Schatten ist und alles wüst, mit Asche, Trockenheit oder Regen oder allem zusammen. Also die Künstler unter den Pflanzen, bescheiden und kreativ im Zugänglich machen vor Ressourcen. Die bereiten den Boden dann für anspruchsvollere Gewächse, sozusagen den niederen Mittelstand, so Sträucher mit Beeren dran, die viel für die Vögel abwerfen, die dann wieder auf den Boden scheißen und ihn damit düngen. Also auf eine Art unser Steuersystem. Ist dann alles hübsch und nett und der Boden reich an Mineralien, wachsen irgendwann wieder Bäume zum Himmel, das sind dann gewissermaßen die Bonzen, die den Kleinen Licht und Kraft wegnehmen. (Die Schweine!) Aber schön ist es dann ja doch, wenn sie so da stehen. Wie die frisch renovierten Gebäude in der Lower East Side oder Neukölln. Echte Postkartenmotive. Doch was ist also der Unterschied zwischen dem Gentrifizierer Baum und dem Loftbewohner in Chelsea? Dass die Bäume allen etwas nützen, die frische Luft brauchen natürlich. Stehen sie zu eng beieinander bleibt kein Platz für die humusbildenden Pflanzen und sie werden auf Dauer nicht gut gedeihen. Fazit: Die Gentrifizierer in ihren teuren Häusern sollten sich schleunigst auch etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit einfallen lassen und sie sollten auf die soziale Mischung in ihrer Umgebung achten, damit sie sich nicht in einem Ghetto wiederfinden, in dem sie vor Langeweile eingehen. Vielleicht bleiben sie sonst nicht lange stehen.

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