Die Super Short Story Nr. 9

Hannes und Jan buken Plätzchen, das war eine Art Ritual, seit sie sich die Wohnung teilten. Jan hatte keine Eltern mehr, Hannes keinen Kontakt zu ihnen. So blieben sie an Weihnachten zu zweit und luden Freunde ein. Jan knetete den Mürbeteig und Hannes raspelte Schokolade für die Glasur. Draußen fuhr ein Blaulichtwagen vorbei, in den Nachrichten im Radio war von einem Bombenanschlag auf eine Synagoge in Brüssel die Rede. „Jedet Jahr ditselbe“, sagte Hannes. Jan nickte und griff nach der Teigrolle. Dieses Jahr würde es das letzte Mal sein, dass sie zusammen Plätzchen buken. Hannes wusste es nur noch nicht und Jan hatte keine Ahnung, wie er es ihm erklären sollte. Die Ärzte hatten ihm noch vier Monate gegeben, allerhöchstens sechs. Er hustete und hielt sich am Türrahmen fest.

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