Die Irrfahrt Teil 2

Ich fand auf Anhieb die richtige Ausfahrt und sah mich im Geiste schon unter der Dusche, doch ich hatte nicht bedacht, dass in alten Städten die Straßen selten geometrisch angeordnet sind. In kürzester Zeit hatte ich im Gewirr der Gassen die Orientierung verloren. Plötzlich war ich in einem Viertel, dass auf meiner Google-Maps Karte, die ich vorsorglich zuhause ausgedruckt hatte, gar nicht vorhanden war. Kein Wunder, es war nagelneu, lauter Hotel- und Apartmentklötze und keine Straßennamen. Erschöpft parkte ich vor einem Café und trank einen Galao und aß ein Sandwich. Als ich den ersten Bissen nahm, durchzuckte mich der Schreck: Hatte ich das Auto abgeschlossen? Wie der Blitz eilte ich zum Wagen, der Kellner hinter mir her, da ich noch nicht bezahlt hatte. Ich versuchte ihm mit meinem Restportugiesisch klar zu machen, dass ich gleich wiederkäme, aber er verstand mich nicht. Ich rüttelte an der Autotür, die verschlossen war und ging, gefolgt von dem schimpfenden Mann wieder zu meinem Platz zurück, an dem mein Kaffee und das angebissene Sandwich nicht mehr standen. Beides war wohl von einer anderen Bedienung abgeräumt worden. Ich bestellte noch einen Kaffee, und als der missgelaunte Kellner ihn vor mich hin knallte, fragte ich nach dem WLAN-Passwort. Stumm ging er fort, um mir gleich darauf einen Zettel vorzulegen auf dem der Code stand. Ich gab ihn mehrmals in mein Telefon ein, aber der Zugang funktionierte nicht. Mein Magen knurrte und ich bestellte noch ein Sandwich. Als ich die Kaffeetasse hielt, bemerkte ich das Zittern, das immer dann auftrat, wenn sich eine gewisse Unruhe in mir breitmachte. Die Dämmerung setzte bereits ein und ich wollte unter allen Umständen noch bei Tageslicht das Hotel erreichen. Bei Nacht in einer fremden Stadt einen Ort zu finden, schien mir noch unmöglicher als ohnehin schon. Am Nachbartisch saß ein Pärchen, das auf seine Smartphones starrte und ich fragte auf Englisch, ob sie wüssten wie ich zu meiner Unterkunft finden könnte. Sie nickten eifrig und googelten in Windeseile unseren Ort. Doch das Hotel fanden sie nicht, auch nicht die Straße. Ich sah zum xten Mal den Zettel mit der Adresse und überlegte, ob ich wohl die richtige aufgeschrieben hätte. Ich bat sie den Namen des Hotels zu googeln und tatsächlich tauchte es auf, es wurde allerdings etwas anders geschrieben. Nun begannen sie mir die Route zu erklären und ich versuchte mir alles zu merken. Ich bedankte mich, zahlte eilig und ging mit dem Sandwich in der Hand zum Auto. Ich biss einmal ab, wickelte es in ein Taschentuch und legte es auf den Beifahrersitz. Als ich losfuhr, hatte ich nur noch eine Anweisung im Kopf – die nächste links. Doch was war die nächste? Sämtliche Straßen, die linkerhand abzweigten waren nicht zugänglich, weil ein Grünstreifen das Abbiegen dorthin unmöglich machte. Meinten Sie die nächst mögliche Straße links oder sollte ich bis zur nächsten Abbiegegelegenheit fahren, ein Stück zurück fahren, um dann die vom Gegenverkehr aus erste linke zu nehmen? Ich stöhnte und fuhr geradeaus, bis ich endlich links abbiegen konnte. Ich fuhr wieder ein Stück zurück und nahm die Straße rechts, die eigentlich die erste links laut Beschreibung hatte sein sollen. Ich fuhr einen Berg hinauf. Die nächste rechts sollte ich wieder abbiegen, kam es mir plötzlich in den Sinn, aber das ging nicht, denn dort befand sich eine Baustelle. Ich hielt am Straßenrand und rief die Nummer des Hotels an. Im Dämmern blitzten  Laternen auf wie blühende Kelche. Gerne hätte ich jetzt eine Zigarette geraucht, aber das tat ich ja schon seit Jahren nicht mehr. Niemand ging ran.

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