Welten

Am Wochenende war ich in Sachsen-Anhalt, kleines Städtchen, die Bäckerei macht am Samstag um 11 zu, das einzige Café serviert Kännchen Kaffee. W-LAN? Never. Es war wie ein Ausflug in die 70er , wenn nicht die schwallweise einfallenden jungen Leute gewesen wären, die den Altersdurchschnitt des Städtchens mit ihrer Anwesenheit bei Lidl, Penny  und Aldi (wg. Wein im TetraPak, Bier)  erheblich senkten. Das Gewummer in der Nacht und am Tag wies den Weg. Ein Festival ganz in der Nähe sorgte für das Aufeinanderprallen von Welten. Hier die junge Crowd in bunten Kleidern und Glitzer im Gesicht, dort die beigefarbene Bürgerschaft mit dem AFD-Büro in der Ortsmitte. Seit vielen Jahren jedes Jahr ein Ringen um Fassung. Man arrangiert sich nicht wirklich, wie mir ein älteres Pärchen verriet. Ob da drüben wirklich die ganze Zeit Drogen genommen werden würden? Und warum man unbedingt Tag und Nacht so laute Musik hören müsse? Ich fühlte, dass es an der Zeit war, Aufklärungsarbeit zu leisten. Ich erzählte von den jungen Leuten auf dem Festival-Campingplatz, die Federball und Skat spielen, Deko basteln für ihre Zelte, Schlange stehen, um zu duschen oder die Zähne zu putzen, und dass nicht wenige, wenn überhaupt, nur nachts die DJs auf den Bühnen am See besuchen. Dass es vielen wichtiger wäre, sich zu treffen und dass das Ganze eher wie ein großes Fest der Freundschaft aussähe. Ein Paradies des Miteinanders (wenn nicht der ganze Müll wäre, aber das ist eine andere Geschichte). Das ältere Pärchen war beeindruckt und sie versprachen es weiter zu erzählen. Und dann redeten sie über ihr Leben. Wie das war, als im See noch ein Dorf stand, wie dann in den 60ern die Braunkohlebagger kamen und ein riesiges Loch gruben. Das jetzt mit Wasser gefüllt ist und als See den Namen des Dorfes trägt, das hier einst stand. Wie dann plötzlich die Sache mit den Festivals losging mit dem Lärm, dem Müll. Sie hatten schon viel erlebt. Nachdenklich fuhr ich zurück in meine Großstadtblase.

P.S. Dass auf Festivals Drogen im Umlauf sind, ist natürlich nicht ganz von der Hand zu weisen, aber man muss den alten Leuten ja nicht alles erzählen.

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