Welten

Am Wochenende war ich in Sachsen-Anhalt, kleines Städtchen, die Bäckerei macht am Samstag um 11 zu, das einzige Café serviert Kännchen Kaffee. W-LAN? Never. Es war wie ein Ausflug in die 70er , wenn nicht die schwallweise einfallenden jungen Leute gewesen wären, die den Altersdurchschnitt des Städtchens mit ihrer Anwesenheit bei Lidl, Penny  und Aldi (wg. Wein im TetraPak, Bier)  erheblich senkten. Das Gewummer in der Nacht und am Tag wies den Weg. Ein Festival ganz in der Nähe sorgte für das Aufeinanderprallen von Welten. Hier die junge Crowd in bunten Kleidern und Glitzer im Gesicht, dort die beigefarbene Bürgerschaft … Welten weiterlesen

En Passant

Öffentliche Verkehrsmittel sind Spitze, wenn man mal in anderer Leute Leben schauen will. Da tun sich Abgründe auf und man sitzt seelenruhig daneben. So laut wie dieser junge Mann, vielleicht Student oder Start-Up-Gründer oder beides, im ICE drei Reihen vor mir telefoniert, muss seine „Ma“, mit der er spricht, sehr weit weg sein. Also vielleicht in Arizona. Während sie dort auf einer hölzernen Veranda im Schaukelstuhl sitzt und irgendwo in der Nähe eine Schlange klappert in der heißen Sonnenglut, starrt ihr Sohn zwischen Bielefeld und Hannover missmutig auf sein Notebook. „Das ist immer wieder dieselbe Leier, ich kann es nicht … En Passant weiterlesen

Wieder 13

Seit ich wieder zur Schule gehe, kommen alte Erinnerungen hoch. Sehr alte. Die Klassenzimmer sehen genauso aus wie früher (zu viele Tische auf zu wenig Fläche), und die Lehrerin schnauzt, dass alle mal endlich ruhig sein sollen. Das bin in diesem Fall ich. Der Tafellappen müsste mal dringend gewaschen werden, die Kreide ist alle, Papierflieger segeln durch den Raum, ebenso Papierkügelchen. Die Schüler und Schülerinnen nutzen, wie wir früher, jede Gelegenheit, um auf sich aufmerksam zu machen: „Hallo, ich bin auch noch da!“ Der Schüler – ein Individuum, das in der Gruppe droht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, gäbe es … Wieder 13 weiterlesen

Die Entscheidung

Seit Monaten dümpelte die Auftragslage auf einem historischen Tiefstand. Ich arbeitete als freischaffende Texterin, Autorin und Journalistin, und normalerweise hatte das Geld immer gerade so gereicht, um die Familie durchzufüttern. Aber seit einiger Zeit war der Wurm drin. Ich fühlte mich wie ein fahrtüchtiges Schiff im Trockendock. Ich wollte arbeiten, aber es ging nicht. Kaum jemand, der etwas von mir wollte, ab und zu eine Reportage für eine Lokalzeitung, ansonsten Stillstand. Nur das Geld auf meinem Konto schmolz dahin wie Butter in der Sonne. Jeden Tag starrte ich auf den Monitor und hoffte auf ein Wunder. Ich ging joggen, spazieren … Die Entscheidung weiterlesen