Umzugsverwirrwarr

Endlich: langsam durch den haushohen Stapel an Umzugskartons durchgefressen. Nun obenauf mit Blick über die blühenden Landschaften. Und erst jetzt gräbt sich ins Bewusstsein ein, dass wir, wo wir wohnen, jetzt woanders sind! In Templin, Uckermark, viele Seen, wenig Geld. Vögel, die zuvor völlig unbekannt, schwirren an den Fenstern vorbei. Hühner gackern, die Schule nebenan bietet Reiten als Unterrichtsfach und besondere Menschen mit besonderen Eigenschaften begleiten uns auf Schritt und Tritt rund ums Haus, weil das Haus auf dem Gelände einer Behinderteneinrichtung steht. Ungläubiges Blinzeln in die Sonne: Das ist also das neue Zuhause? Und so sieht die Zukunft aus? … Umzugsverwirrwarr weiterlesen

Cool: das neue Year2018

Das alte Jahr schaut sehr verbraucht aus, wenn man aus dem Fenster schaut. Angegraut. Trüb. Abgenutzt. Nicht mehr das neueste Modell. Zeit, ein neues anzuschaffen: das Year2018. Die Bedienungsanleitung liest sich vielversprechend, es gibt neue Tools, z. B. eine intelligente Wohnortswechselfunktion und den integrierten Problemverschiebemodus. Auch beim Design hat sich viel verbessert  – das Year2018 ist noch flacher, sonniger, wertiger, und es liegt in der Hand wie ein Fliegengewicht. Natürlich hat das alles seinen Preis. Aber dafür kann man das neue Year mit 0 % Zinsen in zwölf Raten abbezahlen. Die Bestellung ist schon unterwegs und heute Nacht wird es … Cool: das neue Year2018 weiterlesen

Welten

Am Wochenende war ich in Sachsen-Anhalt, kleines Städtchen, die Bäckerei macht am Samstag um 11 zu, das einzige Café serviert Kännchen Kaffee. W-LAN? Never. Es war wie ein Ausflug in die 70er , wenn nicht die schwallweise einfallenden jungen Leute gewesen wären, die den Altersdurchschnitt des Städtchens mit ihrer Anwesenheit bei Lidl, Penny  und Aldi (wg. Wein im TetraPak, Bier)  erheblich senkten. Das Gewummer in der Nacht und am Tag wies den Weg. Ein Festival ganz in der Nähe sorgte für das Aufeinanderprallen von Welten. Hier die junge Crowd in bunten Kleidern und Glitzer im Gesicht, dort die beigefarbene Bürgerschaft … Welten weiterlesen

En Passant

Öffentliche Verkehrsmittel sind Spitze, wenn man mal in anderer Leute Leben schauen will. Da tun sich Abgründe auf und man sitzt seelenruhig daneben. So laut wie dieser junge Mann, vielleicht Student oder Start-Up-Gründer oder beides, im ICE drei Reihen vor mir telefoniert, muss seine „Ma“, mit der er spricht, sehr weit weg sein. Also vielleicht in Arizona. Während sie dort auf einer hölzernen Veranda im Schaukelstuhl sitzt und irgendwo in der Nähe eine Schlange klappert in der heißen Sonnenglut, starrt ihr Sohn zwischen Bielefeld und Hannover missmutig auf sein Notebook. „Das ist immer wieder dieselbe Leier, ich kann es nicht … En Passant weiterlesen